Gerhard Schöne: Lieder aus dem Kinderland

Amiga/Polydor/Europa, 1982/1995/2004

Titelliste

  1. Kinderland
  2. Hampelmännerlied
  3. Der Riese Glombatsch
  4. Bude baun
  5. Schmusen muß sein
  6. Lügenlied
  7. Der Traummann Fidibus
  8. Der F-Tsch-Chq &-Wumm-Apparat
  9. Der Meeresbezwinger Thomas
  10. Alle deine Namen
  11. Jule wäscht sich nie
  12. Kalle, Heiner, Peter
  13. Der Zauberer vom Zirkus Luft
  14. Augen, Ohren und Herz
  15. Raxli faxli
  16. Der Märchenprinz

Liedtexte

Hinter dem Affenstrand, kurz vor Schlaraffenland,
da liegt Kinderland.
Wo die Kinder alles dürfen: Kippeln, krabbeln, schmatzen,
schlürfen, popeln.
Alle müssen kräftig schrei´n, es gibt tolle Keilerei´n,
Löcher in den Hosen.
Kein Erwachs´ner, der gleich zankt, sofort Disziplin verlangt,
denn dort gibt´s keine Großen.

Wer dahin will, hebt die Hand, nach Kinderland.

Mittags gibt es Kompott, Bonbons zum Abendbrot,
keiner mit Bauchweh droht.
Jedes Kind kann alles machen: Trommeln, pfeifen, quieken,
krachen, johlen.
Man kann jedes Spielzeug kriegen, später lässt man´s einfach
liegen, braucht es nicht aufräumen.
Aus dem Wasserhahn fließt Brause, alle Schulen haben Pause.
Man hat Zeit zum Träumen.

Wer dahin will …

Abends wird bis nach zehn ordentlich ferngeseh´n,
keiner muss schlafen gehen.
Alles darf im Bett man haben: Hamster, Mäuse, Sittich,
Schaben,
Dackel.
Keiner wäscht sich das Gesicht, Zähne putzen braucht man nicht.
Füße bleiben dreckig.
Hände bleiben auch beschmutzt, Schuhe werden nicht geputzt,
der Hals ist immer fleckig.

Wer dahin will …

Du denkst – ein toller Ort. Bist du paar Tage dort,
dann willst du wieder fort.
Willst dich wieder einmal waschen – nicht nur träumen,
quieken, naschen, popeln.
Dann hast du dich ausgetobt, möchtest, dass dich Mutti lobt,
willst nicht Däumchen drehen.
Außerdem hast du vermisst, dass dich Mutti abends küsst
vor dem Schlafengehen.

Wer wieder heim will, hebt die Hand, nach Mutterland.

Die Frau von einem Hampelmann lief auf das Fundbüro
und heulte los: „Mein Mann ist weg, und ich weiß gar nicht wo!“
Da sprach der Herr vom Fundbüro: „Na, kommen sie mal rein.
Wir haben viele Hampelmänner, welcher wird´s denn sein?
Hier, dieser wackelt mit dem Kopf, wie es kein and´rer kann
und steckt ganz weit die Zunge raus.“ „Nein, das ist nicht mein Mann!“

La, la, la, la, la, la, lalalla, …

„Und der da hebt die Arme hoch und wackelt mit dem Po.
Ist das vielleicht ihr Hampelmann?“ „Das isser nicht, iwo!“
„Der schüttelt seine rechte Hand und hebt das rechte Bein.
Dann kommt die linke Seite dran.“ „Das isser auch nicht, nein!“

La, la, la, la, la, la, lallala, …

„Dann hab´ ich einen, der sich dreht und lacht über´s Gesicht.
Ich nehme an, das wird er sein?“ „Nein, nein, das isser nicht!“
„Der beugt den Rumpf nach rechts und links, dann vor und dann zurück.
Das ist bestimmt ihr Hampelmann.“ „Nein, nein, ich hab kein Glück.“

La, la, la, la, la, la, lallala, …

„Der letzte wackelt mit dem Kopf und hebt die Arme so,
dann steck er weit die Zunge raus und wackelt mit dem Po.
Er schüttelt seine rechte Hand und hebt das rechte Bein,
dann kommt die linke Seite dran, das macht er wirklich fein.
Er beugt den Rumpf nach rechts und links, dann vor und dann zurück,
dann dreht er sich im Kreis herum und lacht vor lauter Glück.“

La, la, la, la, la, la, lallala, …

Da rief die Frau vom Hampelmann: „Ich dank dem Fundbüro!
Mein lieber Mann ist wieder da, und ich bin wieder froh!“

La, la, la, la, la, la, lallala, …

Der Riese Glombatsch, aus Bibabombatsch,
ist siebzehn Meter neunzig groß.
Auf einer Wiese sitzt unser Riese,
und Tränen fall´n in seinen Schoß.

Er hat keinen Freund zum Spielen, alle reißen vor ihm aus.
Vor ihm zittern alle Kinder, wie vor´m Elefant die Maus.
Alle denken, er ist böse, weil er´n bisschen größer ist.
Und sie rennen, was sie können, grad als ob er Kinder frisst.

Der Riese Glombatsch aus Bibabombatsch
weiß nicht, was er noch machen soll,
das sie ihm trauen und nicht abhauen.
Sie könnten spielen, wundervoll.

Er würde sie im Hut verbergen, wenn sie Verstecke spielen wolln,
er trüg vom Parkplatz Autos runter, brauchten sie mehr Platz zum
toll´n.
Er höb sie über Zäune rüber und zur Aussicht in die Höh´.
Er würde sie nach Hause tragen, tun die Füße ihnen weh.

Der Riese Glombatsch aus Bibabombatsch
Sucht ein paar Freunde in der Stadt,
die mit ihm spielen und mit ihm fühlen,
wenn er mal einen Kummer hat.

Was kann er für seine Größe, was kann er für sein Gesicht.
Warum will ihm keiner trauen, spürt sein gutes Wesen nicht.
Darum weint der Riese Glombatsch. Sind denn alle Kinder blind?
Und er wartet auf die Kinder, die ein bisschen klüger sind.

Der Riese Glombatsch aus Bibabombatsch.

Was man euch jetzt berichtet,
ist wirklich nicht erdichtet:
Im Sommer gehen wir rodeln,
die Pferde können jodeln.
Die Maus jagt nach der Katze,
die Beatles habn ´ne Glatze,
am Nordpol muss man schwitzen,
die Lehrerin bleibt sitzen.

Refr.: Das glaub ich nicht, das glaub ich nicht,
du bist ganz ungezogen.
Das glaub ich nicht, das glaub ich nicht!
Kein Wörtchen ist gelogen!

Am Kirschbaum wachsen Pflaumen,
der Vater lutscht am Daumen.
Und Tante Ruth aus Sachsen
Lässt sich ´nen Vollbart wachsen.
Durchs Zimmer fliegen Spatzen,
der Polizist macht Fratzen,
im Urwald wachsen Uhren,
die Affen habn Frisuren.

Refr.: Das glaub ich nicht ……

Die Maler malen für die Blinden,
im Schwarzen Meer ist Tinte.
Ein Goldfisch hat oft Husten,
die Pusteblumen pusten.
Man trägt Sandalen im Winter,
der Klapperstorch bringt Kinder,
und Lebertran schmeckt herrlich,
und ich bin immer ehrlich.

Refr.: Das glaub ich nicht ……

Ich hab `nen Apparat gebaut,
den trag ich stets bei mir.
Der macht, was ich mir grade wünsch.
Den Namen merke dir:

Ref. Mein F-Tsch-Chqu-&%-Wumm-Apparat
hilft mir, wo ich bin.
Mein F-Tsch-Chqu-& %-Wumm-Apparat
ist ein tolles Ding.

Schmeckt mir einmal das Essen nicht,
der Pudding aber sehr,
dann ißt er das, was ich nicht mag
und stellt mehr Pudding her.

Will mich so\\\’n großer Kerl verhaun
und schimpft und schmeißt mit Dreck,
was hol ich da wohl raus; na was?
Der Kerl rennt schleunigst weg.

Sagt Mutter, es sei noch zu kalt
für Schokoladeneis,
dann dreh` ich, na, ihr wißt schon wo,
und plötzlich wird\\\’s ganz heiß.

Will ich `nen Film ab 18 seh`n,
und keiner läßt mich rein,
dann dreh\\\‘ ich an dem Apparat
und bin nicht mehr so klein.

Willst du so`n Apparat dir bau`n,
das ist zwar ganz schön schwer.
Erst wird ein guter Damenschuh
gefüllt mit Gips und Teer.
Darauf den Knopf vom Radio,
das Rad vom Telefon,
zwei Schüttelboxen eingepaßt,
und fertig ist er schon.

In Meeresnot treibt ein winziges Boot,
darinnen ein Junge: Thomas.
Wenig Proviant, das Steuer zur Hand,
kühn ist sein Blick: Thomas.
Die Eltern sind fern, er hatte sie gern,
doch wegen der Fünf so ein Riesentheater.
das hielt er nicht aus, er lief weg von zu Haus.
Später vielleicht schreibt er Mutter und Vater:

Liebe Eltern!
Nun, nach zehn Jahren will ich euch mal schreiben.
Ich lebe! Wenn ihr Lust habt, könnt ihr mich mal besuchen.
Ich bin jetzt Häuptling bei einem Stamme der Hulakanufen.
Euer Thomas – P.S. Ich habe Euch verziehen.

Die Nacht bricht herein, er mummelt sich ein
in Vaters Joppe.
Sturm zieht herauf, ein Haifisch taucht auf,
doch das alles schreckt nicht Thomas.
Als die dreizehnte Nacht er hungernd verbracht,
ist ein großes Schiff in der Feme zu sehen.
Wenn er sich nicht versteckt, dann wird er entdeckt,
wird niemals als Held ins Geschichtsbuch eingehen.

Hallo, hier spricht der Bordfunk! Ist da wer?
Falls jemand auf dem Boot ist, melden sie sich! Wir helfen.
Hallo! -Käpt`n, ich melde: Auf dem Boot ist niemand zu sehen.
Wir setzen die Fahrt fort.

Das Schiff zieht dahin im Boot unten drin
liegt noch der Junge: Thomas.
Trotz schwindender Kraft, er glaubt, daß er`s schafft,
der Meeresbezwinger Thomas.
Zwei Tage darauf taucht sie vor ihm auf,
die glückliche Insel der Hulakanufen.
Eingeborne am Strand reichen ihm stolz die Hand,
alle jubeln ihm zu. Er hört jemanden rufen:

Thomas, komm endlich aus der Wanne raus,
Papa will auch noch baden.
Leg das Schiffchen weg
und trockne dich ab, Thomas!

Ein hübsches Mädchen ist die Jule.
Sie geht auch gerne in die Schule.
Nur eines finden alle schlecht,
daß Jule sich nicht wäscht.
Sieht man sie kommen, heißt es: Hmmm!
Hört man sie reden, heißt es: Ahhh!
Doch riecht man sie, dann heißt es: Thhh!
Denn Jule wäscht sich nie.

Es kam einmal ein Herr von Thule,
der war total verknallt in Jule.
Sie brauchte sich nicht lang zu ziem
und ging mit ihm im Park spaziern.
Er nimmt ihr Händchen und denkt: Hmmm!
Sie sehn sich an und flüstern: Ahhh!
Er kommt ihr näher und schreit: Ihhh!
Denn Jule wäscht sich nie.

Da mußte Jule schrecklich weinen,
trotz allem fand sie später einen,
der Schnupfen hatte und nichts roch.
Drum kam die Hochzeitskutsche doch.
Man sieht die Kutsche und sagt: Hmmm!
Man grüßt den Bräutigam mit: Ahhh!
Doch als die Braut kommt, hört man: Thhh!
Denn Jule wäscht sich nie.

Und wie sie vor dem Altar sitzen,
beginnt der Bräutigam zu schwitzen.
Da schnaubt er dreimal, I -2 -3,
und schon ist seine Nase frei.
Er schielt zur Jule und denkt: Hmmm!
Er nimmt das Ringlein und denkt: Ahhh!
Er will sie küssen und schreit: Thhh!
Denn Jule wäscht sich nie.

Da ist `ne gute Fee gekommen,
hat Jule an die Hand genommen
und sprach zur Jule: \’Sei kein Schwein!
Steig in die Badewanne rein!\‘
Sie riecht die Seife und denkt: Hmmm!
Sie wäscht sich richtig sauber: Ahhh!
Sie sieht sich selber und sagt: Thhh-Ei!
Jetzt ist die Schweinerei vorbei.

Warum spielt den keiner mit dem dicken Heiner?
Er trifft zwar nicht alle Bälle,
er ist eben nicht so helle, Heiner.
Er sah letzten Winter auf dem Eis ´ne Möwe liegen.
Ging zum Tierarzt, gab ihr Futter, heute kann sie fliegen.
So tierlieb ist sonst keiner, wie der dicke Heiner.

Warum spottet jeder über uns´ren Peter?
Er trägt eine kluge Brille,
lacht kaum und ist meistens stille, Peter.
Aber er kann Geige spielen und auch komponieren.
Zu Weihnachten, beim Klassenfest, wird er es dann aufführen.
So was kann nicht jeder, nur der stille Peter.

Warum hänseln alle grad den schwachen Kalle?
Er holt sich zwar selten Beulen,
trotzdem sieht man ihn oft heulen – Kalle.
Als einmal beim Fußballspielen doch ´ne Scheibe krachte,
rannten alle, außer ihm, der sie zum Glaser brachte.
So mutig sind nicht alle, wie der schwache Kalle.

Kalle, Heiner, Peter – solche kennt wohl jeder.
Kinder, die nicht stark, nicht schnell sind.
Kinder, die nicht ganz so hell sind.
Doch, lernst du sie richtig kennen, lässt du sie nicht stehen.
Wirst du etwas ganz Besonderes grad bei ihnen sehen.
Und ihr könnt auf Erden die besten Freunde werden.

Es war ein Junge, der hieß Axel,
der fand es meistens ganz gemein,
wenn sich Erwachsene unterhielten
und sagten: „Du bist noch zu klein.“

Dann wählten sie ganz schwere Worte
und haben über ihn gelacht.
Doch eines Tages hat sich Axel
auch was verzwicktes ausgedacht:

Raxli, faxli, pullipaxli,
ronte – monte – mo,
tallatulla, mallamulla,
hucka – lucka – lo.

Erstaunt sprach Onkel Hans zum Vater:
„Der Axel ist ein kluges Kind.
Was heut´ die Kinder alles lernen,
da sieht man mal, wie weit die sind.“

„Kannst du das noch mal wiederholen?“
hat Vater ehrfurchtsvoll gefragt.
Nun schauten alle auf den Axel,
und Axel hat noch mal gesagt:

Raxli, faxli, …

Am nächsten Morgen in der Schule,
es war im Fach Biologie,
der Lehrer sprach von kleinen Tieren.
Pantoffeltierchen heißen die.

Da dachte Axel an den Vater,
denn der hat auch Pantoffeln an.
Und plötzlich sollt´ er wiederholen –
da zeigte Axel, was er kann:

Raxli, faxli, …

Der Lehrer wollt sich nicht blamieren,
dass er kein Raxli, faxli kennt.
Er wusste nichts von puxli, paxli,
geschweige denn von rontement.

Drum sagte er: „Ganz ausgezeichnet
und wissenschaftlich ausgereift.
Sag es noch einmal, lieber Axel,
damit es jedes Kind begreift.“

Raxli, Faxli, …

Nach zwanzig Jahren sah´n die Leute
im Fernsehn einen klugen Mann.
Der hieß Professor Doktor Axel.
Den riefen viele Leute an.

Der wusste immer eine Antwort,
was ihn die Leute auch gefragt.
Er schob die Brille auf die Nase
und hat bedeutungsvoll gesagt:

Raxli, faxli, …

Manchmal schaust du in den Spiegel und denkst voller Neid:
Andere sind viel, viel hübscher. Tust dir selber leid.
Du bist nicht so klug wie andere, du bist keine Zier.
Wer will schon was von dir wissen, plötzlich wünscht du dir:

Jetzt müsste ein Märchenprinz kommen
und sagen: „Ich glaub, du vergisst,
dich gibt es nur einmal auf Erden.
Und ich mag dich so, wie du bist.“

Es gibt ´nen Lehrer in der Schule, bei dem bist du schlecht.
Der hat seine Lieblingsschüler – das ist nicht gerecht.
Mitten in der Stunde kaut er und verlangt von dir,
dass du still sitzt und nicht rausschaust – plötzlich wünscht du dir:

Jetzt müsste ein Märchenprinz kommen
und sagen: „Spiel´n sie sich nicht auf.
Sie können nicht Ordnung verlangen
und selber pfeifen sie drauf.“

Keiner, der´s nicht selbst erlebt hat, weiß, wie schwer das ist,
wenn sich die Eltern nicht mehr lieben, und du dazwischen bist.
Dabei liebst du sie doch beide, willst sie beide hier.
Doch sie woll´n sich scheiden lassen – plötzlich wünscht du dir:

Jetzt müsste ein Märchenprinz kommen
und sagen: „Der Spuk ist vorbei.
Ihr liebt euch wie früher, ihr beiden.
Ihr seid wieder glücklich, ihr drei.“

Manchmal hast du Sorge um den Frieden in der Welt.
Wieder haben Menschen neue Bomben hergestellt.
Dabei wünscht sich doch die Menschheit Frieden Jahr um Jahr.
Hass und Misstrau´n müssen enden, sonst wächst die Gefahr!

Da müsste ein Märchenprinz kommen
und sagen: „Der Krieg ist gebannt.
Ich hab alle Waffen verzaubert.
Ihr Völker, nun geht Hand in Hand!“

Wenn der Märchenprinz erschiene, das wär wunderbar.
Doch du weißt es selbst, der macht sich heute leider rar.
Dauernd muss man ihn vertreten, der scheint sich auszuruh´n.
Man muss selbst nach Wegen suchen, selber etwas tun.

Dann kann schon ein Märchenprinz kommen,
und alle schaun staunend ihm zu.
Es können noch Wunder geschehen.
Der Märchenprinz aber bist du.

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