Die sieben Gaben

von Birgit Grimm, Sächsiche Zeitung

Über das 3.Konzert im Kulturpalast Dresden: “ ‚Creme oder Fett?‘ Während das junge Mädchen noch überlegt, kramt Gerhard Schöne in einer Kiste voller Fläschen und Näpfchen. Aus der Türkei hat er sie mitgebracht und seitdem begleiten sie ihn auf jeder Tour. Auf seinem Hut ist zu lesen: Ich putze Schuhe für UNICEF. Er tut das für eine Mark mit originellen Schuhlappen bekannter Leute – Geschenke von Regine Hildebrandt und Täve Schur, Reinhard Mey und Ludwig Güttler. Beim Schuhe-Wienern könne er sein Lampenfieber abbauen, sagt Schöne. Und außerdem erfahre er so, für wen er in wenigen Minuten singen wird. Dann sei das Konzert nicht mehr so anonym.

Das Foyer des Kulturpalastes glich am Montag abend einer warmen Märchenstube. Eine große Decke war ausgebreitet. Darauf saßen junge Leute, schlürften Schälchen mit dampfendem schwarzen Tee. Wenig später steht der schuheputzende Märchenerzähler von nebenan im Scheinwerferlicht. „Stellt euch vor, statt Gewehre gäbe es Spritzpistolen, die gefüllt sind mit dem Wasser des Lebens.“ Schöne träumt nicht nur davon, er probiert es zum Gaudi seiner Zuhörer gleich aus.

Gut drei Stunden erzählte er vor ausverkauftem Haus, begleitet von L´art de Passage, alte und neue Balladen und Märchen aus aller Welt. Einen Abend lang besang er „Die sieben Gaben“, zog durch die verdrängten Träume der Leute und entdeckte ihnen ihre längst vergessenen Geschichten neu. (…)

Die Leute im Saal ließen sich gern von der Gefühlswelle forttragen, immer auf der Suche nach Halt, nach Quellen des Lebensmutes. Dabei verwandelte der Liedermacher die Zuschauer in Akteure. Kleine Papierflieger wurden auf den Rängen gefaltet, sausten wenig später mit Liebeserklärungen durch die Luft. Das Publikum sang und erzählte mit, es klatschte und trampelte. (…)

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