Ein schriller Wilhelm Busch

von Ann Brünink, Märkische Allgemeine

Ein schriller Wilhelm Busch Club der toten Dichter präsentiert Reime in neuer musikalischer Umgebung

Die Reime von Wilhelm Busch passen zu Popmusik und Softrock. Den Beweis trat der „Club der toten Dichter“ am Freitagabend im Theater an.

Grelle Pfiffe, schrille Schreie und frenetischer Applaus – 440 Besucher im Großen Saal des Brandenburger Theaters rasten am Freitagabend vor Begeisterung. Warum? Sie haben sich Texte von Wilhelm Busch angehört. Was? Texte von diesem Moralisten, der Kindern mit erhobenem Zeigefinger Mores lehren wollte, sollen junge Leute von heute von den Stühlen reißen?

Unmöglich, mag da manch einer denken. Doch wenn Reinhardt Repke die Texte vertont hat und Norbert Leisegang, Frontmann bei der Band „Keimzeit“, sie singt, ist der Erfolg nicht weit. Leisegang brachte überzeugend rüber, dass die Busch-Reime, garniert mit ein wenig Punk, hervorragend zu Softrock und Popmusik passen.

Doch auch die Qualität der Texte überraschte. Schließlich weiß kaum jemand, dass Busch, der vor hundert Jahren starb, auch tiefsinnige Gedichte geschrieben hat, wie „Der Philosoph“ , „Selbstkritik“ oder „Maulwurf“.

Reinhardt Repke wusste genau was er tat. Schließlich hat der Gründer des „Clubs der toten Dichter“ bereits 2006 mit der Vertonung von Heineliedern die Massen begeistert. Es war von Anfang an vorgesehen, dass die einzelnen Programme mit wechselnden Besetzungen geplant werden.

Sang seinerzeit Dirk Zöllner die Heinelieder, so ist es Repke gelungen, mit Norbert Leisegang nun wiederum ein Zugpferd zu präsentieren. Trotzdem war Repke sehr erleichtert, als die Premiere des Busch-Programms erfolgreich gelaufen war. Ganze Gebirge seien ihm vom Herzen gefallen, verriet er den Fans.

Das knapp zweistündige Hörvergnügen verdankten die Zuhörer einem schlichten Zufall. Er habe beim Umzug seiner Schwester geholfen, erzählt Repke. Dabei seien ihm die Bände von Wilhelm Busch in die Hände gefallen. Fasziniert habe er sich in eine ruhige Ecke zurückgezogen, um zu schmökern und die Busch-Bücher schließlich mitgenommen.

Und noch ein Zufall: Als Repke Norbert Leisegang seine Vertonungen der Busch-Texte vorstellte, war der nicht nur sofort begeistert, sondern er hatte auch Zeit. Just zu diesem Zeitpunkt hatte Keimzeit nämlich beschlossen, eine 14-monatige Spielpause einzulegen. Perfektes Timing!

Auch die übrigen Bandmitglieder harmonierten gut. Helge Marx an E-Bass und Kontrabass spielte seine Instrumente mit einem verträumten Lächeln. Tim Lorenz am Schlagzeug sorgte für den richtigen Groove und Jörg Mischke brillierte nicht nur an den Keyboards, sondern sorgte für einen besonderen Höhepunkt im Programm. Er hat die Musik zu der Bildergeschichte „Der Virtuos“ geschrieben, die auf eine Leinwand projiziert wurde. Die Leute haben gebrüllt vor Lachen, so treffend hat Mischke die Stimmung der urkomischen Bilder in Musik umgesetzt.

Mit dieser Premiere, die Zuschauer aus allen Himmelsrichtungen angelockt hat, ist dem Brandenburger Theater ein Coup gelungen.

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