Vereinigung statt Vereinnahmung

von Henry Martin Klemt, Neues Deutschland

Auch wenn sich das zweieinhalbstündige Projekt auf Gerhard Gundermanns Lieder, seine Lebensphilosophie und Biografie konzentriert, lebt die Band vom Tübinger Landestheater keineswegs nur von der Originalität des Lausitzer Liedermachers. Was ihr Projekt auszeichnet, ließe sich als ein Stück kultureller Ost- West- Vereinigung beschreiben- wie sie sonst so gut wie nirgendwo stattgefunden hat(…)

Da ist zum einen die faszinierende soziale Genauigkeit, mit der Gundermann .einem östlichen Lebensgefühl vor, während und nach der gesellschaftlichen Transformation Ausdruck verlieh, zeitlos und über Generationsgrenzen hinaus. Die Erfahrungen, die diese Liedern zu Grunde liegen, lassen sich schwerlich adaptieren. Sie auf der Bühne nacherlebbar zu machen, bedarf es einer Aneignung, die über Text und Musik hinausgeht, einer distanzierten Reibung allemal mehr als einer freundlichen Anempfindung. Mit sehr wenigen Ausnahmen ist das gelungen, mehr noch: Die Hinwendung gerade zu den persönlichsten Liedern Gundermanns zeigt, wie hoch der Anspruch als Auseinandersetzung angesetzt war.(…)

Natürlich steht bei diesem Konzert immer auch Gundermann selbst unsichtbar auf der Bühne. Das ist ein Bonus Und es ist eine Last. Es braucht schon eine hinreichend eigenwillige Persönlichkeit wie Heiner Kondschak, um dieser Lebendigkeit des Originals, aber auch dem sich immer noch meldenden Schmerz über Gundermanns frühen Tod 1998 standzuhalten. Die stehenden Ovationen, mit denen sich das Publikum in Frankfurt/Oder bedankte, war deshalb hochverdient.

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